Pontresina macht den Weg frei für mehr Wohnungen: Die Fundaziun da Puntraschigna soll von der Gemeinde ein Baurecht für ein Haus mit acht Wohnungen erhalten. Am 30. Januar lädt die Fundaziun zu ihrem zweiten Informationsabend ein: Sie gibt einen Einblick in ihre Tätigkeit und fragt unabhängige Experten, worauf es bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum ankommt.
Die Gemeindeversammlung vom 12. Dezember hat bestimmt, was mit der Gemeindeparzelle 2401 geschehen soll: Die Fundaziun da Puntraschigna – und nicht die Gemeinde selbst – soll auf dem Grundstück oberhalb des Gemeinde- und Kulturzentrums Rondo ein Haus mit acht Wohnungen für Einheimische bauen. Voraussichtlich im April stimmt die Gemeindeversammlung über den Baurechtsvertrag und über eine Finanzierungsvorlage ab.
Bei der Entwicklung des Bauvorhabens achtet die Fundaziun von Anfang an auf die Nachhaltigkeit – und zwar in allen drei Dimensionen:
Ökologisch nachhaltig soll der Bau durch die Auswahl und die Herkunft der Baumaterialien und das Energiekonzept werden. Die Machbarkeitsstudie sieht eine moderne Holzkonstruktion vor.
Wirtschaftliche Nachhaltigkeit erhält das Projekt durch den sparsamen Umgang mit den Wohnflächen. Einsparungen bei den Baukosten lassen sich durch einheitliche, effiziente Grundrisse und einen sparsamen Flächenverbrauch pro Person erzielen. Die Wohnungen werden zweckmässig konzipiert und eingerichtet sein, aber keinen unnötigen Luxus bieten. Auch eine hohe Bauqualität ist wichtig, denn sie stellt sicher, dass die Wohnungen ohne kostspielige Sanierungen über mehrere Jahrzehnte vermietet werden können.
Die gesellschaftliche Nachhaltigkeit wird durch das Prinzip des gemeinnützigen Wohnbaus gesichert. Gemeinnütziger Wohnbau richtet sich an Menschen, die auf dem freien Markt keinen wirtschaftlich tragbaren Wohnraum finden. Gemäss der Wohnraumanalyse 2023 der Gemeinde betrifft dieses Problem in Pontresina rund drei Viertel der Steuerpflichtigen; sie verdienen weniger als 80'000 Franken pro Jahr und sollten für ihre Wohnungen nicht mehr als 2'000 Franken pro Monat ausgeben müssen.
Mit ihrer Tätigkeit richtet sich die Fundaziun also nicht nur an wirtschaftlich schwächere Haushalte, sondern an die Mehrheit der Menschen, die in Pontresina leben. Die Wohnungsproblematik betrifft vor allem Familien, Angestellte und vermutlich auch ältere Menschen. Es sind Menschen, die keine grossen Einkommen haben. Also nicht nur die wirtschaftliche Unterschicht, sondern auch die Mittelschicht. Die Mieterinnen und Mieter der Fundaziun sollen eine Kostenmiete bezahlen. Sie muss der Fundaziun keinen Profit ermöglichen, sondern nur den effektiven Aufwand für die Finanzierung und den Betrieb tragen – inklusive Rückstellungen und Abschreibungen.
Natürlich wird die Fundaziun nicht allen Einheimischen kostengünstigen Wohnraum zur Verfügung stellen können. Für die Vermietung ihrer Wohnungen hat sie deshalb ein Reglement entwickelt, das transparent darlegt, wer sich für die Wohnungen bewerben kann und nach welchen Kriterien entschieden wird, wer eine Wohnung letztlich bekommt. Das Reglement wird am 30. Januar erstmals vorgestellt.
«Wir legen alle unsere Reglemente offen, denn die Leute müssen unsere Tätigkeit verstehen», sagt Andreas Flury, Präsident der Fundaziun da Puntraschigna. «Nur wenn sie nachvollziehen können, was wir tun und wie wir entscheiden, werden sie uns auch vertrauen.» Das Vertrauen der Bevölkerung ist zentral, denn nur wenn die Gemeinde bei der Finanzierung und der Gewährung von Baurechten mitmacht, kann die Fundaziun neue Projekte angehen.
Das Geld, mit dem die Fundaziun arbeitet, wird hauptsächlich aus der Gemeinde kommen – also von der Bevölkerung und der Wirtschaft von Pontresina. «Die Beiträge an die Fundaziun werden im Dorf kontrovers diskutiert. Das ist auch richtig, denn für die Förderung von Wohnraum brauchen wir grosse Beträge», sagt Flury.
Anders als andere Ausgaben seien die Beiträge an die Fundaziun aber nicht verloren. «Wir erschaffen damit Werte in Form von Wohnraum, der es Familien, Paaren und Einzelpersonen möglich macht, in Pont-resina zu leben und zu arbeiten. Die Fundaziun zu unterstützen, heisst, in die Zukunft zu investieren.»
Neben der reinen Finanzierung kann die Gemeinde die Fundaziun auch als Baurechtsgeberin unterstützen. «Die Kosten des Landes oder der Baurechte sind für bezahlbare Mieten der Knackpunkt», erklärt Flury. «Die Landpreise sind massgebliche Treiber für die hohen Mietpreise im Engadin.»
Medienmitteilung: Neuer Wohnraum im Zentrum von Pontresina
Flexibel sein – flexibel bleiben
«Wohnraum für Einheimische ist eine Generationenaufgabe»