Acht Wohnungen für Einheimische entstehen im ersten Haus der Fundaziun da Puntraschigna direkt oberhalb des Zentrums Rondo. Das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs schafft so viel Wohnraum, wie auf der Parzelle möglich ist und ermöglicht verschiedene Wohnformen für Familien, Paare, Einzelpersonen oder Wohngemeinschaften.
In einem offenen Architekturwettbewerb haben mehr als 90 Planungsteams ihre Vorschläge für das erste Haus der Fundaziun da Puntraschigna präsentiert. In einem strukturierten Auswahlverfahren hat die Jury die Eingaben nach mehreren Kriterien bewertet. Dazu gehörten nicht nur städtebauliche, architektonische, technische und wirtschaftliche Aspekte, sondern auch Fragen rund um das Zusammenleben im Haus. Das Gewinnerprojekt des Wettbewerbs stammt vom Atelier Candrian Meier in Zürich.
Das Siegerprojekt «Babetin» nutzt das Grundstück bestmöglich aus und kombiniert moderne, funktionelle Architektur mit Elementen, die bereits im Engadinerhaus vorkommen. Der Hauseingang führt durch in einen grossen Vorraum, der einem «Sulèr» ähnelt. Er kann als gedeckter Treffpunkt und Spielfläche genutzt werden. Die Idee eines Raums für alle findet sich auch in jeder der acht Wohnungen wieder. Im Zentrum liegt jeweils ein grosser Raum, wo gekocht und gegessen wird und von wo alle Zimmer der Wohnung abgehen.
Jokerzimmer schaffen Flexibilität
In den vier Wohngeschossen liegen jeweils eine Zwei- und eine Vierzimmerwohnung sowie ein «Jokerzimmer» mit Bad, das als zusätzliches Zimmer für die eine oder die andere Wohnung dienen kann. «Unser Mietreglement sieht vor, dass alle Wohnungen der Fundaziun von den Mietenden auch ausgenutzt werden. Grössere Wohnungen sollen nicht durch Paare oder Einzelpersonen genutzt werden», erklärt Andreas Flury, Präsident der Fundaziun da Puntraschigna. «Wird zum Beispiel eine Familie kleiner, weil ein Kind auszieht, kann das Jokerzimmer zurückgegeben und einer anderen Wohnung zugeschlagen werden, wo dann eine oder zwei zusätzliche Personen einziehen können.»
«Die Aufgabe ist anspruchsvoll», sagt Jurypräsidentin Elli Mosayebi, Architekturprofessorin an der ETH Zürich. «Die Lage hinter dem Rondo ist nicht einfach, das Raumprogramm mit den «Jokerzimmern» muss gut durchdacht werden, die Fundaziun stellt hohe Ansprüche bezüglich der Kosten und der Ökologie und das Bauen im alpinen Raum stellt generell höhere Anforderungen als es im Mittelland der Fall wäre.»
Für den Wettbewerb hatten sich über 100 Planungsteams aus der Schweiz und dem Ausland interessiert, 91 reichten schliesslich ihre Projekte ein. «Die Aufgabe war aber auch sehr reizvoll; gesucht waren innovative Lösungen für das Zusammenleben in verschiedenen Wohnformen. Zudem konnten auch jüngere Planungsteams teilnehmen, weil das Objekt nicht besonders gross ist. Der Aufwand für einen Wettbewerb ist deshalb überschaubar.»
Wohnraum für 30 Personen
Die Qualität der Eingaben sei unterschiedlich gewesen, sagt Jurypräsidentin Mosayebi, aber es habe eine Reihe sehr guter Eingaben gegeben, die es schliesslich in die Endrunde schafften. Als Sieger schwang schliesslich das Projekt des Ateliers Candrian Meier aus Zürich oben aus. «Annina Meier und Baseli Candrian schaffen mit dem Sulèr im Sockelgeschoss eine grosszügige und angemessene Ankunftssituation. Die Wohnungen eignen sich sowohl für Familien als auch für Wohngemeinschaften, da die Zimmer flexibel genutzt werden können: individuell als Schlafzimmer oder gemeinschaftlich als Stube. Die Sonnenfassade zur Via Maistra lässt viel Licht und Wärme ins Haus und nutzt die Sonne auch zur Stromproduktion und die halboffene Loggia bringt jeder Wohnung auch einen Aussenraum.»
Annina Meier und Baseli Candrian haben beide an der ETH Architektur studiert. Candrian ist in der Surselva aufgewachsen und mit Graubünden eng verbunden. «Wir konnten Elemente aus der Engadiner Baukultur aufnehmen und modern interpretieren», sagt er mit Verweis auf den Sulèr im Eingangsbereich und die zentralen Räume in den Wohnungen. «Wir erhielten strikte Vorgaben: Die Wohnungen durften nicht zu gross, die Räume aber auch nicht zu klein sein.»
Das Siegerprojekt von Candrian Meier schafft Wohnraum für 27 (in Wohngemeinschaften eventuell mehr) Personen und weist unter allen Eingaben die höchste Belegungsdichte auf:
Die beiden Jokerzimmer sollen über eine eigene, kompakte Nasszelle verfügen. Sie können zu einer der Wohnungen geschlagen oder, mit einer einfachen Kochnische ergänzt, auch als Studios vermietet werden. Auf eine Tiefgarage wird verzichtet: Parkplätze können im Parkhaus Rondo gemietet werden. Dies ermöglicht eine besondere Kosteneinsparung, die sich auf die Mietzinsen der Wohnungen auswirken wird.
Die Fachjury
Prof. Elli Mosayebi, Dipl. Architektin ETH, Zürich (Jurypräsidentin)
Andreas Ruch, MSc Architekt ETH, St. Moritz
Urs Padrun, Architekt BSA SWB, Guarda
Mengia Mathis, Dipl. Architektin ETH, S-chanf*
Die Sachjury
Andreas Flury, Präsident Fundaziun da Puntraschigna
Nora Saratz Cazin, Gemeindepräsidentin Pontresina
Catherine Manley, Stiftungsrätin Fundaziun da Puntraschigna*
Simona Capaul, Stiftungsrätin Fundaziun da Puntraschigna*
*Ersatz
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Medienmitteilung: Neuer Wohnraum im Zentrum von Pontresina
Flexibel sein – flexibel bleiben
«Wohnraum für Einheimische ist eine Generationenaufgabe»